Die Feldbahnlinie nach Schweinebrück und die Zeit nach dem Ende des Torfkraftwerkes.

Die nächsten topografischen Karten, die ich im Internet gefunden habe, sind die von 1955 (http://www.landkartenarchiv.de/deutschland_messtischblaetter.php). In der Kartensammlung der Universität Göttingen fand ich topografische Karten von 1964, die keinen weiteren Ausbau der Feldbahnlinien gegenüber 1955 zeigten. Gegenüber 1942 bzw. 1917 hat sich vieles geändert: Die Strecke nach Marcardsmoor existiert nicht mehr, die nach Stapeler Moor ist ausgebaut worden, aber nicht im Endzustand. Im Bereich des NWK-Geländes in der Gemeinde Wiesmoor (südwestlich der Bundesstraßenkreuzung mit dem Kanal) ist die Bahn auch weiter ausgebaut worden. Die Strecke nach Schweinebrück ist jetzt eingezeichnet, existierte aber schon vor dem 2. Weltkrieg. Sie gab es auf jeden Fall schon in den zwanziger Jahren. Sollten Sie über topografische Karten zwischen 1955 und 1970 verfügen, in denen weitere Strecken eingezeichnet sind, so lassen Sie mich das bitte wissen. Besonders in Stapeler Moor bis Meinersfehn könnte das Gleis weiter gehen, als in der Karte von 1955 eingezeichnet ist.

 Schweinebrück ist heute ein Ortsteil von Zetel und liegt etwas westlich von Neuenburg. Bis Schweinebrück gab es ein Gleis der sog. 'Vareler Nebenbahn' (https://de.wikipedia.org/wiki/Vareler_Nebenbahnen) der damaligen Reichsbahn, später Deutsche Bundesbahn. Am Bahnhof Schweinebrück gab es einen größeren Schuppen, an dem östlich das Gleis der Bundesbahn und westlich davon das Gleis der Feldbahn verlief. Ein Teil des Schuppens, bzw. seine Reste sind noch heute zu erkennen. Ein Fahrradweg verläuft heute ein kurzes Stück über die ehemalige Feldbahntrasse. Die Züge konnten aber auch direkt nebeneinanderstehen und dann konnte direkt von einem Zug in den anderen geladen werden. Einige Quellen berichten davon, dass es auch einen Anschluss in Schweinebrück von der Ziegeleifeldbahn aus Bockhorn gab. Die Ziegeleien in Bockhorn brauchten natürlich Brennstoff und da bot sich der Torf aus Wiesmoor an. In Schweinebrück konnte er dann umgeladen werden. Ich habe allerdings keine Landkarte gefunden, in der dieser Tatbestand eingezeichnet ist. Ich kann mich nur daran erinnern, dass jeden Tag ein Lastwagen beladen mit Torf von der Torf- und Siedlungsgenossenschaft in Marcardsmoor nach Bockhorn fuhr. Den sah ich jeden Morgen, wenn ich zur Schule ging. Vor dem 2. Weltkrieg könnte es da aber durchaus ein Gleis gegeben haben.

Unten ein Foto aus Schweinebrück, ein Foto von 1928.

0047 feldbahn im bahnhof schweinebrueck

Aus: Historischer Kalender, November 2014 © Print Media GmbH, E. Hennek

Das Bild zeigt die Feldbahn in Schweinebrück neben einem Zug der damaligen Reichsbahn.

0048 feldbahn in schweinebrueckdorf

aus: Historischer Kalender, November 2014 © Print Media GmbH, E. Hennek

0048b Zug nahe Schweinebrueck

Quelle, http://www.wiesmoor-info.blogspot.depwiesmoor-geschichte.html

Diese Bilder zeigt die NWK-Feldbahn im Ort Schweinebrück, die Loren dahinter scheinen  diese weiter unten beschriebenen Langloren gewesen zu sein.

Das nächste Bild zeigt eine der von der NWK am häufigsten genutzten Lokomotive. Ich kann mich gut an runde Fenster erinnern, wie sie auf dem Foto etwas weiter unten zu erkennen sind.

0049 feldbahn vor werkstatt

 Quelle wie oben.

An diesen Lokomotiven  hing nahe am Führerhaus stets ein Eimer mit Kiessand, er war meist hinter dem Führerhaus und so angeordnet, dass der Lokführer während der Fahrt in den Eimer greifen konnte. Der Lokführer streute bei Bedarf dann davon Sand auf die Schienen, wenn die Antriebsräder der Lok drohten durchzudrehen. Manchmal, wie auf dem Bild, war auch ein Kasten gefüllt mit Sand montiert. Mit dem Eimer konnte dann der Lokführer aussteigen und um die Lokomotive gehen, um unter alle Räder Sand zu streuen.

0050 feldbahnlokomotive vor kraftwerk nwk wiesmoor

Quelle, Museum Wiesmoor

 Diese Lokomotiven waren reine 'Arbeitstiere', daher wenig gepflegt, aber eigentlich immer zuverlässig. Ich kann mich kaum daran erinnern, dass mal eine unterwegs liegen geblieben wäre oder in der Werkstatt stand. Das waren bei Weitem nicht die einzigen Lokomotiven, aber die, die am häufigsten vorkamen. Ich kann mich auch an solche erinnern, deren Motor von der Seite sichtbar war. Es handelte sich um MWM-Motoren (Motoren Werke Mannheim), riesig große und schwere Dieseltriebwerke. Die obigen Lokomotiven waren schwarz gefärbt, die anderen teilweise dunkelgrün und in blauen Tönen. Das untere Bild zeigt im Hintergrund die Kühltürme des Kraftwerks auf dem Bild darüber im Hintergrund die Werkstatt. Die Lokomotive steht auf dem Gleis, das zur Torfverladestation nahe am Kanal führte.

Die NWK verfügte über 26 Lokomotiven, die 16 - 20 Loren ziehen konnten, dabei fasste jede Lore etwa 1 t Torf. So beladen schaffte eine Lok pro Stunde etwa 4,5 km. Es gab in Wiesmoor etwa 400 Loren. Laut http://www.ssdw.de/BE/BE_1986-02.pdf S. 68 waren es 1964 bei der Stilllegung 41 Torfabfuhrwagen mit Holzkasten (1t), 109 Eisengitterwagen (1t), 29 Torfwagen mit Holzkasten (2t), 198 Torfabfuhrwagen mit Eisenkasten (2t) und 200 Kipploren. Dazu kamen etwa 62 km Gleise.  Die Stahlloren hatten später ein Fassungsvermögen von 2 t. Johann Witte wird in der Zeitung 'Nordwest Heimat' vom 8. 4. 1978, Nr. 3, NWZ Nr. 82 zitiert, dass es auch zwei große Lokomotiven gab, die den Torf schneller transportieren konnten. Diese Loks wurden wohl vor allen Dingen nach Schweinebrück eingesetzt. Die Quelle 'http://www.ssdw.de/BE/BE_1986-02.pdf ' weist drauf hin, dass 1949 2 Lokomotiven mit 45 PS existierten. Die oben gezeigten Lokomotiven sind aus der ersten Serie, die bis 1928 angeschafft wurden. Es handelt sich um Fahrzeuge der Firma Deutz. Sie hatten max. 14 PS. Zwischen 1944 und 1949 wurden neue Lokomotiven von der Firma 'Schöma' angeschafft, die dann zumeist 25 bzw. 28 PS hatten, dabei waren dann auch die beiden starken Lokomotiven mit 45 PS.

Die technischen Daten der Deutz-Loks könnten in etwa der auf folgender Webseite beschriebenen Lok entsprechen:http://gillbachbahn.bahnwiki.org/index.php5/FWM_Lok_35

0050_b feldbahnlokomotive  nwk wiesmoor

Quelle: E. Hennek, Hinrichsfehn, CCV-Druckerei und Verlag, Varel, 1996

Lokomotivführer war in Wiesmoor ein wichtiger und auch prestigeträchtiger Beruf.

Die Webseite: http://www.werkbahn.de/eisenbahn/lokbau/museum/pres_schoema.htm zeigt von Schöma produzierte Lokomotiven, diejenigen, an die sie ausgeliefert wurden und diejenigen, die sie heute besitzen. Dort erscheinen auch einige NWK-Loks. Die Eintragung sind nicht aktuell aber demnach stehen einige Loks im im Feldbahnmuseum Guldental-Heddesheim, im "Museum für feldspurige Industriebahnen" in Osterkappeln-Hitzhausen bei Osnabrück und die Dritte offenbar als Denkmal vor der Schule Kronberg in Kiel.

Auch in der 'Nordwest Heimat' wird ein Herr Erich Janßen zitiert. Er teilte mit, dass es am Bahnübergang der Bundesstraße 437 im Fuhrenkamp mit dem Aufkommen des Autoindividualverkehrs zu Unfällen kam. Es wurden Bahnunter- bzw. -überführungen in Erwägung gezogen, aber nicht mehr verwirklicht.

In obig angegebener Zeitung (Auszug), wird auch ein Georg Wilms zitiert:

Er weiß auch vom Einsatz der Strafgefangenen bei Be- und Entladungen in Schweinebrück zu berichten.  „De mit dat blaue Tüüg, de keemen ut dat Gefängnis in Oltmannsfehn un de mit dat bruune Tüüg, de keemen ut dat Tuchthuus in Stapel!“ Sie hatten einen Aufseher mit Waffe bei sich. Trotzdem ist es zu Ausreißversuchen gekommen. An ein Gespräch zwischen Gefangenen erinnert sich Wilms: Ein Brauner fragte in der Mittagspause einen Blauen, warum er ins Gefängnis gekommen sei. Antwort: Ich habe geklaut! Erwiderung: Das ist ja auch nicht gut, das soll man nicht tun. Gegenfrage: Und warum bist du hier: Ich habe meine Frau erschlagen. Die Gefangenen mussten sich auf einer Lore „per Abstoßen“ selber befördern. Wenn sie aber aus dem Schweinebrücker Waldgebiet herauskamen und die freie Heidelandschaft erreichten, durften sie bei günstigen Windverhältnissen ein Segel setzen.

Viele Jahre lang fuhren auch einzelne Personen oder Gruppen mit der kleinen Bahn. So wird berichtet, dass die Insassen der Landfrauenschule Neuenburg einen Lehrausflug auf diese Weise nach Wiesmoor unternahmen. Umgekehrt unternahmen die „Wiesmoorer“ einen Ausflug in die Wehde. Auch sie saßen auf etwas besseren Loren, fuhren bis Schweinebrück und wanderten dann etwa zur Jagdhütte im Neuenburger Urwald. Johann Witte, der 1933 mit einem Stundenlohn von 48 Pfennigen begann, weiß weiter zu berichten, dass gelegentlich „hohe Herren“ nach Wiesmoor zur Besichtigung kamen. Eine Draisine zog die Gesellschaft, die auf extra großen Loren mit Sitzbänken bewegt wurde, um alle Erfolge des Fortschritts an markanten Punkten des Unternehmens „Wiesmoor" in Augenschein zu nehmen. Die Schmalspurbahn Wiesmoor - Schweinebrück ist nicht mehr, in der Erinnerung vieler Menschen aber lebt sie fort.

Erich Janßen  ('Nordwest Heimat' vom 8. 4. 1978, Nr. 3, NWZ Nr. 82)

Damals nannte sich die heutige Grund- und Hauptschule noch Volksschule. Ich war in der Klasse 4 und unser damaliger Klassenlehrer Klingemann galt in ganz Wiesmoor als Tierfreund. Er fuhr jeden Tag mit dem Fahrrad ins Gelände der Landwirtschaft und der Torfgewinnung, um nach Feierabend Tiere zu beobachten. Er fuhr immer an unserem Haus vorbei. Ich fuhr manchmal mit ihm und habe so, weit weg von den Siedlungen, mit ihm noch die sehr scheuen Birkhähne und Birkhühner gesehen. Er hatte gute Beziehungen zur NWK und so organisierte er eines Tages für uns eine Klassenfahrt mit der Feldbahn nach Schweinebrück. Wir waren damals 45 Schüler in der Klasse, und so wurden zwei lange Loren vor die Loren nach Schweinebrück gekuppelt. Solche Langloren mit hinten und vorne je einem Drehgestell waren innen mit Bänken bestückt, um Personen befördern zu können. Es gab die aber auch für lange Güter, die transportiert werden mussten. Manche Kurven waren so eng, dass der mittlere Teil des Waggons gar nicht mehr über den Schienen stand. Ich kann mich noch an die Hinfahrt erinnern, die für uns alle wahnsinnig aufregend war, alle waren aus dem Häuschen. Trotzdem kam keiner auf die Idee auszusteigen, was uns ja strikt verboten war, obwohl die Bahn ja kaum schneller als Schritttempo fuhr. Die Rückfahrt war langweilig und wir warteten nur darauf, dass es bald geschafft war.

Die Feldbahn von Wiesmoor nach Schweinebrück war eine wichtige Versorgungslinie für die NWK, aber auch für die Gemeinde Wiesmoor. Größere und schwerere Produkte wurden vorwiegend so nach Wiesmoor transportiert. Ich kann mich gut erinnern, dass, nachdem die Werkstatt gegen 16 oder 17 Uhr Feierabend hatte, das Tor zum Gelände noch offen blieb, weil der Zug aus Schweinebrück oftmals erst gegen 18 Uhr oder noch später eintraf. Dieser Zug fuhr, soweit ich mich erinnern kann, jeden Tag.

Der Zug nach Schweinebrück fuhr unweit der Rutteler Mühle vorbei und oft genug hielt er an der am dichtesten zur Mühle gelegenen Stelle, und der Lokomotivführer lief zur Mühle, um dort Produkte mit zu nehmen, die für seinen eigenen Bedarf waren oder die er in Auftrag bekommen hatte. (Quelle: Auskunft an der Rutteler Mühle)

Auf diese Art war Wiesmoor an die große Welt angebunden. Später, bereits zu meiner Kindheit, nahm allerdings der Straßenverkehr zu, und die Bahn nach Schweinebrück diente schließlich vorwiegend der NWK zur Stückgutversorgung. Vor allen Dingen größerer Güter, die per Bundesbahn angeliefert wurden, kamen so nach Wiesmoor.

0051 feldbahn im museum

Quelle: Google Bildersuche

Langlore, diese Lore entstammt zwar dem heutigen Museumsdorf in Wiesmoor, ähnelt aber den damaligen Langloren.

Das Ende der Ära Torfkraftwerk in Wiesmoor und damit das Ende der NWK-Torfgewinnung samt NWK-Feldbahn.

1964 wurde der Torfkraftwerkbetrieb der NWK eingestellt. Das Kraftwerk war zu klein, es lieferte gerade noch in der Region 3% der Stromerzeugung, die Torfgewinnung war zu kostspielig, der Torf hatte einfach zu wenig Energiegehalt und die Torfvorräte gingen einem Ende entgegen.

Brennstoff Heizwert in MJ/kg
Torf 15
Braunkohlenbriketts 19,6
Steinkohle ca. 30
Heizöl 42,6

Der gesamte NWK-Betrieb, wie er bislang funktionierte, wurde abgewickelt.

0051b Torfkraftwerk NWK-Wiesmoor

Quelle, Gemeinde Wiesmoor

Das Kraftwerk wurde abgerissen, was nach heutigen Vorstellungen wohl nicht mehr geschehen würde. Schließlich war es ein wichtiger historischer Baustein in der Entwicklung Nordwest-Deutschlands. Das Gebäude war im Stile der Gründerzeit gebaut und strahlte durchaus Stolz und Schönheit aus. Man würde es heute sicherlich als Denkmal stehen lassen.

0051c Abriss Torfkraftwerk NWK-Wiesmoor

Archiv Frees

0051c Abriss Torfkraftwerk NWK-Wiesmoor_2

Archiv Frees

Die Gärtnerei wurde umorganisiert, die alten Gewächshäuser durch moderne Häuser ersetzt und es wurde auch kein Gemüse mehr angebaut, dafür Blumen.

0051e neue Gaertnerei Wiesmoor

Archiv Frees

Sie sehen die 'neue' Gärtnerei. Das Kraftwerk ist verschwunden und an seiner Stelle steht ein vom Kraftwerk Emden aus gesteuertes Spitzenlast-Kraftwerk. Es funktionierte mit einer Gasturbine, die schnell hoch zu fahren ist. Die Feldbahn ist verschwunden, aber ihre Trasse kann man noch erkennen.

Heute 2017 ist selbst dieser 'neue' Betrieb nicht mehr rentabel und wird seinerseits abgewickelt. An stelle des Spitzenlastkraftwerks steht heute die Sparkasse und das neue Rathaus. Die Landwirtschaft ist stark geschrumpft und ist heute ein normaler Bauernhof, über die Hälfte der damaligen Nutzfläche nimmt heute der Golfplatz ein. Übrig geblieben ist Benary und die große Baumschule als Überbleibsel der einmal alles beherrschenden NWK.

0051c nwk-gelaende heute

Quelle: GoogleMaps

Auf dem Screenshot von GoogleMaps sehen Sie die Situation in Wiesmoor von etwa 2015. Der wirtschaftliche Schwerpunkt Wiesmoors liegt nicht mehr um die Brücke über den Kanal herum, sondern hat sich nach Osten verschoben. Dort ist ein Einkaufszentrum entstanden. Die Gärtnerei wird (Stand 2017) abgerissen. Auf dem Platz, auf dem früher das Kraftwerk stand, steht heute das Rathaus (rotes Dach) und die Sparkasse (grau-bläuliches Dach). Das Gelände der früheren Werkstatt nimmt heute die ‚Schröder Fahrzeugtechnik‘ ein. Allein das ehemalige Magazin steht noch. Es ist an dem grauen Dach direkt nördlich an die Firma ‚Schröder Fahrzeugtechnik‘ zu erkennen. Die ehemaligen Werkswohnungen stehen noch fast alle. Der Park des Chefs ist verwildert.

Unten ein detaillierterer Screeshot von Bing-Maps.

0051d nwk-gelaende heute

Mit dem Kraftwerk wurde natürlich auch die Torfgewinnung eingestellt und die Feldbahn abgebaut, verkauft und verschrottet. Heute weisen nur noch die ganz oben gezeigten Schienenfragmente in einer Straße auf diese Bahn und für Kenner gibt es noch zwei weitere Kennzeichen. In Rammsfehn wird die Oldenburger Str. an einer Stelle abgesenkt. An dieser Stelle führte damals die Feldbahn über eine recht hohe Stahlbrückenkonstruktion im rechten Winkel über die Straßen rechts und links vom Kanal und über den Kanal (ich habe dazu kein Bild gefunden). Von der Brücke ist, außer Fundamentfragmenten nichts mehr zu erahnen. Auf dem abgetragenen damals hohen Bahndamm steht heute ein Haus. Etwa einen halben Kilometer südlich der Klappbrücke am Beginn des Amselwegs kann man noch auf der Westseite des Kanals eine Spundwand erkennen. Das ist der Rest des damaligen Hafens. Wenn man mit offenen Augen die ehemaligen Feldbahnlinien sucht, findet man immer noch heute nicht benutzte und durch vorwiegend wildem Birkenwuchs zugewachsene Streifen, manchmal Dämme, die noch auf diese Bahn deuten. Man muss sie aber mit einer topografischen Karte in der Hand suchen, dann kann man sie aber noch finden, bis hin nach Schweinebrück oder Stapeler Moor. Sehen Sie dazu auch das Satellitenfoto vom Gleisdreieck in Bentstreek weiter vorne. Fährt man auf der östlichen Kanalseite die Mullberger Straße entlang, dann fährt man zwischen dem Abzweiger zur Bentstreeker Straße und weiter südlich, da wo der Kanal einen leichten Rechtsknick macht, an einem Wald-/Gestrüppstreifen entlang. Dieser Streifen ist auch höher, als das Straßenniveau und auch die Felder dahinter. Dort liegt noch Hochmoor und genau das war der alte Bahndamm.

Die Nach-NWK-Ära.

Die Torf- und Siedlungsgenossenschaft in Marcardsmoor.

Ab 1964 wurde zwar die NWK-Feldbahn abgebaut, aber Feldbahnen gab es weiterhin in Wiesmoor. In Marcardsmoor, etwa 2km südlich des Ems-Jade-Kanals baut die 'Torf- und Siedlungsgenossenschaft Wiesmoor (TSG) noch Torf ab. Der wurde vorwiegend zur Gewinnung von Blumenerde genutzt. Die TSG arbeitete bis zum Schluss noch mit der Feldbahn. Ende des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts meldete die TSG Insolvenz an und wurde schließlich von der AWT (Auricher-Wiesmoorer-Torfvertriebs-GmbH) übernommen.  Die AWT gewinnt Torfmull als Rohstoff für Profisubstrate für Erdenwerke. Man arbeitet nicht mehr mit der Feldbahn. Damit ist der letzte professionelle Einsatz der Feldbahn auf dem Gebiet Wiesmoors beendet.

0053 torfabbaugeraete in marcardsmoor

Eigenes Foto

Hier einige von der Gesellschaft abgestellte Torfgewinnungsmaschinen.

Mullgewinnung in Mullberg.

In Mullberg und um den Moorweg II nahe dem Knick im Nordgeorgsfehn-Kanal an der Grenze zwischen Wiesmoor und Uplengen baut die Firma Warfsmann Torf zur Gewinnung von Blumenerde ab.

0054 mullabbau in mullberg

Eigenes Foto

Hier die Mullgewinnung in Mullberg. Die Firma hat zunächst auch noch mit Feldbahnen gearbeitet, heute aber nicht mehr. Heute arbeitet man dort mit Traktoren und Lkws.

Das Reservat V ist heute ganz streng unter Naturschutz gestellt. Es wurde wieder vernässt und das Moor wächst dort wieder seit mehr als 30 Jahren. Der Naturschutz verbietet es sogar das Gebiet zu betreten, was allerdings wegen des sumpfigen Charakters auch lebensgefährlich sein kann.

0055 Reservat V heute

Eigenes Foto

Dieses Gebiet ist ein wahres Vogelparadies. Hier kann man sehr viele unterschiedliche Vogelarten beobachten, wie z. B. auch Kraniche. An der Ostseite dieses Gebietes am Bentstreeker Weg gibt es eine erhöhte Plattform, die einen vorzüglichen Blick in dieses Ökosystem bietet (Bild oben).

0056 kraniche im reservat V

Eigenes Foto

Stapeler Moor heute.

In Stapeler Moor wurde durch die Firma 'Torfwerk G. Strenge' noch fast 40 Jahre lang bis 1997 der Torf, auch als Blumenerdegrundstoff, abgebaut. Hier wurden z.T. noch die alten Gleise der NWK weiter benutzt allerdings nur im Bereich des Torfabbaus und dem Mullwerk an der 'Langen Straße'. Die folgenden 10 Fotos wurden mir freundlicherweise von Herrn J. Gerdes aus Stapel überlassen, der sich auch ganz wesentlich für die Renaturierung dieser riesigen Moorfläche eingesetzt hat.

0057 mullwerk stapeler moor

Das Mullwerk in Stapeler Moor an der 'Langen Straße'.

0058 mullwerk stapeler moor_2

Die hier zu sehenden Loren sind nicht alte NWK-Loren. Die Vollmetallloren der NWK verjüngten sich nicht nach unten.

0059 stapeler moor torgewinnung nach nwk

0060 zug vor mullwerk stapeler moor

0061 zuege im stapeler moor

0062 zug im stapeler moor

0063 gleis im stapeler moor

0064 mullgewinnung im stapeler moor

0065 mullgewinnung im stapeler moor_2

0066 moorflaeche im stapeler moor

Dieses letzte Foto von Herrn Gerdes zeigt die Weite dieses einzigartigen riesigen Ökotops in Stapeler Moor. Es handelte sich um die größte heute wieder fast ursprüngliche Naturlandschaft der Region, ca. 1150 ha groß. 1999 führten langwierige Versuche diesen Torfabbau im Sinne ökologischer Renaturierung zu beenden schließlich unter der damaligen Bundesregierung G. Schröder zum Erfolg. Der Torfabbau wurde sozusagen 1 Minute vor 12 gestoppt. Noch gab es genug Torf um eine Renaturierung durchzuführen. Mindestens 80 cm mächtig muss noch Torf vorhanden sein, damit das Regenwasser nicht nach unten in den Boden versickert. Das war noch gerade der Fall. Die ehemaligen Abbaufelder wurden eingedeicht und langsam füllten sich die so entstandenen Polder mit Regenwasser. Heute, bald 20 Jahre später, kann man den Torfabbau dort noch erahnen (Teile des Mullwerks stehen noch), aber die Renaturierung des Moores hat schneller angefangen, als man glaubte. Heute liegt dort eine große Fläche wieder nachwachsendes Moor, das auch direkt an das Lengener Meer reicht. Ein guter Moorlehrpfad führt durch einen kleinen Bereich dieses Gebietes. Hier kann man gut sehen, wie ein Hochmoor 'wächst'. Vor allen Dingen hat sich das dafür notwendige Torfmoos stark verbreitet und nimmt wieder große Flächen ein. Dazu gibt es, wie im Reservat V nördlich von Neudorf sehr viele Vögel, z.T. seltene, wie z.B. Kraniche. Das Betreten ist außerhalb des Lehrpfades nicht gestattet.  Siehe dazu auch das Bild weiter oben.

0067 stapelermoor heute

Eigenes Foto

0067b naturschutzgebiet stapeler moor mit lengener meer

Quelle: GoogleMaps

Das Lengener Meer ist ein Restsee des früheren unberührten Moores, das bereits früh während des letzten Jahrhunderts unter Naturschutz gestellt worden war.

0067c lengener meer

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Lengener_Meer

Mit dem Ende der Torfmullgewinnung in Stapeler Moor wurde schließlich auch der letzte Rest der Feldbahn abgebaut, verkauft und verschrottet. Auch hier findet man noch Relikte der alten Bahntrasse, aber man muss schon genau hinsehen und wissen, was man sucht und wo man suchen muss.

Sehen Sie dazu auch folgende Webseiten: Naturschutzgebiet " Stapeler Moor Süd und Kleines Bullenmeer" "Moorerlebnispfad Stapeler Moor" Naturschutzgebiet "Stapeler Moor und Umgebung" Torfabbau-Stopp in Niedersachsen Torfabbau: " Industrie wehrt sich". Mit sehr gutem Bild eines Torfbaggers.

Bentstreek.

Es hat sich in Bentstreek eine Initiative gegründet, die auch mit viel Liebe ein Museum aufbaut, in der auch die Feldbahn gewürdigt wird. Siehe dazu auch die Webseite von Bentstreek. Im Rahmen dieser Initiative gibt es Bestrebungen heute auf den alten Bahntrassen zwischen Stapeler Moor, Schweinebrück und Wiesmoor einen Radweg anzulegen. Das wäre sicherlich im Sinne einer geschichtlichen Aufarbeitung, dieser für die Region so wichtigen Zeit, eine hervorragende Sache. Gerade in Wiesmoor gibt es reichlich Touristen, die mit dem Fahrrad die Gegend erkunden möchten. Wie schön wäre es, wenn auf diese Art und Weise eine Themenroute diese, trotz allem, junge Geschichte Wiesmoors, Menschen zugänglich gemacht werden könnte.

Wiesmoor.

In Wiesmoor ist ein kleines Museumsdorf entstanden, das Interessierte mit der Geschichte vertraut macht. Hier stehen noch alte Maschinen der Torfgewinnung der NWK, z.T. allerdings auch jüngere Maschinen, die so die NWK nie eingesetzt hat. Das Problem wird sein, dass von den Originalmaschinen einfach keine mehr vorhanden sind - es wurde wohl alles verschrottet. Aber diese Maschinen geben trotzdem einen guten Eindruck von der Torfgewinnung.

0068 torfbagger im museum wiesmoor

Eigenes Bild

Torfbagger. Die Originale der NWK hatten wesentlich längere Ausleger.

Das nächste Bild zeigt den Torbagger von der Seite, von der der Torf gewonnen wurde.

0069 torfbagger im museum wiesmoor andere Seite

Eigenes Bild

0070 torfbagger in stapeler moor

Quelle, 'Ostfriesisches Landesmuseum Emden'

Dieses Bild zeigt anschaulich, wie hochindustriell die Torfgewinnung arbeitete.

0071 torfverladungsanlage im museum
Eigenes Bild

Auch eine kleine Feldbahnlinie ist aufgebaut, die einen Rundweg zwischen Museumsdorf und Blumenhalle abfährt (es ist kein Rest einer alten Linie). Dort werden Personenwagen angehängt, mit denen Interessierte eine kleine Rundfahrt machen können. Die Schienen mögen Originale sein, die Lokomotive und die Loren wohl kaum. Zumindest sahen die 'Arbeitspferde' der NWK anders aus. Ändert nichts an der Tatsache, dass hier an die alte großartige Feldbahngeschichte Wiesmoors erinnert wird. 

Verbleib der Lokomotiven:

Viele der Lokomotiven werden wohl verschrottet worden sein. Eine stand 52 Jahre vor der Hauptverwaltung der 2016 geschlossenen Großgärtnerei in Wiesmoor. Weiter oben beschrieb ich, dass sie an das Gemeinde Museum in Bentstreek gekommen ist. Sie wird z.Z. restauriert (Anfang 2018).

 Klaus Groß schreibt im Forum vom Verbleib zweier weiterer Loks (https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php%3F017,8402291):

"Aus dem in [www.ssdw.de] aufgelisteten Lokbestand bei Stilllegung haben möglicherweise 3 Schöma-Loks überlebt, zumindest kann man das aus der Liste in [www.werkbahn.de] schließen, nämlich (Werks-Nr./Baujahr) 969/1948 (NWK 17), 1026/1949 (NWK 25) und 1042/1949 (NWK 19). Die 969 ist vom Typ LO28, die anderen beiden vom Typ LO40. Gemäß der Tabelle befindet sich die 969 im "Museum für feldspurige Industriebahnen" in Osterkappeln-Hitzhausen bei Osnabrück und trägt da offenbar den Namen "Wiesmoor". Das Museum befindet sich aktuell am Piesberg im nördlichen Stadtgebiet von Osnabrück, s. verlinkte Seite "feldspur" und Kommentar von Christoph "Mühlenexpress". Ob eines der Bilder in [www.feldspur.de] die Lok zeigt, weiß ich nicht. Gemäß Fahrzeugtabelle ist sie abgestellt. Die nächste Lok in der Tabelle ist die 1026, die sich im Feldbahnmuseum Guldental-Heddesheim befinden soll. In deren Fahrzeugliste auf der Homepage [www.feldbahnmuseum-guldental.de] taucht die Lok nicht auf; Versuche, den Verbleib per E-Mail zu klären, verliefen im Sand. Gemäß Kommentar von Michael "PHLCollrado" ist die Lok in Guldental vorhanden und 2017 gefahren; es handelt sich aber um den Typ Lo 45. Die dritte im Bunde ist die 1042, die sich als Denkmal vor der Schule Kronsburg in Kiel befinden soll. In zu] sind 2 Fotos der Lok zu sehen; die letzten Sichtungsmeldungen sind wohl 6 oder 7 Jahre alt. Die Farbe entspricht sicher nicht der, die die Lok in Wiesmoor trug (vermutlich schwarz), sondern möglicherweise der, die ein zwischenzeitlichen Eigentümer ihr verpasst hat".

Die Lokomotive auf dem Schulhof in Kiel-Kronsburg ist von Stefan Motz aufgespürt worden. Er hat seine Nachforschungen auch im Forum der Drehscheibe veröffentlicht ( https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php%3F017,8402291 ) und mir freundlicherweise die Fotos zur Veröffentlichung auf meiner Webseite zur Verfügung gestellt:

NWK Lok in Kiel 1

 NWK Lok in Kiel 2

 

Literatur:

Es gibt in Wiesmoor mehrere Publikationen zum Thema geschichtliche Entwicklung der Gemeinde und auch des Torfkraftwerks, wobei die Feldbahn immer wieder Erwähnung findet. Aber eine systematische Aufarbeitung gibt es nicht. Diese Webseite soll dazu einen ersten Ansatz bieten.

Karl-Heinz Frees, Das große Wiesmoor, Verlag Soltau-Kurier 1987

Karl-Heinz Frees, Wiesmoor

Helmut Sanders, Wiesmoor, seine Kultivierung und Besiedlung von den Randgemeinden aus, C.L.Mettker&Söhne, Jever 1990

Ewald Hennek, Hrsg. Dorfgemeinschaft Hinrichsfehn e.V., CCV Druckerei + Verlag, Varel, 1996

Helmut Sanders, Wiesmoor 1906 - 1996, Verlag Gerhard Rautenberg, Leer, 1997

Arbeitskreis '75 Jahre Mullberg', Mullberg 75 Jahre . 1922 - 1997, Rautenberg Druck Leer, 1997

Helmut Sanders, Grossefehn - Wiesmoor, Sutton-Verlag Erfurt, 1999

 

 

 




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