Die ehemalige Feldbahn zur Versorgung des ehemaligen Torfkraftwerkes in Wiesmoor Seite 2.

    Das Gleisnetz der Feldbahn des Torfkraftwerks in Wiesmoor nach dem 2. Weltkrieg.

    Dieses Netz habe ich aus topografischen Karten von 1955, von Fotos (Werkstatt- und Kraftwerksnähe) und aus eigener Erinnerung aufgezeichnet. Sie können auch in diese Karte, wie oben beschrieben, hinein zoomen.

    Quelle: http://contentdm.lib.byu.edu/cdm/singleitem/collection/GermanyMaps/id/580/rec/1 Suchen Sie dort nach den Blättern '2512 Wiesmoor', '2513 Zetel', '2612 Uplengen', '2613 Neuenburg' und ggf. noch nach '2412 Wittmund' und '2413 Jever'.

    Quelle: GoogleMaps

    Sie sehen, das Schienennetz hat sich gegenüber vor dem 2. Weltkrieg verändert. Die Linie nach Marcardsmoor gibt es nicht mehr. Jetzt gibt es die Linie nach Schweinebrück (wahrscheinlich seit Anfang der 20er Jahre) und nach Stapeler Moor. Das letzte Stück bis Meinersfehn habe ich auf keiner Karte gefunden. Dieses Stück habe ich nach einer Befragung vor Ort so eingezeichnet. Aus Meinersfehn kam ganz zum Ende des Kraftwerks noch Torf. In Meinersfehn gibt es heute eine Straße 'Alter Gleisweg', dort sind aber Gleise allenfalls am nördlichen Ende dieser Straße von der NWK gewesen. Der Name stammt natürlich daher, dass dort Gleise lagen. Sie gehörten aber zu einem Unternehmen, das dort den Torf für die Bevölkerung im Umland abbaute und vermarktete. Die roten Linien sind keine fest gebauten Gleise. In diesen Reservaten wurde in der 50er und 60er Jahren der Torf gewonnen. Diese Gleise wurden je nach Bedarf zum Einsammeln des Torfs verlegt. Es handelte sich also um temporäre Linien. Es wurde in den Reservaten III, IV und V zur gleichen Zeit abgetorft, da man ja immer große Flächen für die Ablage des gewonnenen Torfs gebrauchte. Der Torf musste schließlich erst trocknen, bevor man ihn im Kraftwerk verbrennen konnte. So konnte man sich nicht ein einzelnes Reservat vornehmen und das in einem Zuge komplett abbauen. Das Hauptabbaugebiet war aber zum Schluss das Reservat IV - Stapeler Moor. Zu dem Zeitpunkt betrug die Länge des Schienennetzes ungefähr 65 km, davon alleine die Strecke nach Schweinebrück 19,7 km und die nach Meinersfehn 18 km.

    Die Torfgewinnung.

    0026 moorprofil

    Quelle, 'Ostfriesisches Landesmuseum Emden'

    Um Torf einigermaßen wirtschaftlich abbauen zu können, muss er eine gewisse Mächtigkeit haben, was aber in Wiesmoor in den Reservaten gegeben war, was das Bild auch anschaulich zeigt. Im Profil sieht man gut die oberste helle Schicht mit Bewuchs. Da der Boden sehr sauer und eher nass ist, können nur wahre Wachstumskünstler hier wachen, wie z. B. das Bentgras (oben) oder Binsen (im Vordergrund). Diese helle obere Torfschicht heißt Bunkerde. Sie ist hellbraun und wie ein Schwamm. Das Moor ist hier noch nicht gepresst und hat noch einen hohen Bioanteil und dadurch einen kleinen Kohlenstoffanteil. Diese Bunkerde brennt sehr schlecht, kann daher nicht verwendet werden. Sie wurde damals mit dem ganz unten liegenden eiszeitlichen Boden, meist Sand, gemischt (Fehnkultur). Der dunkle Torf unter der Bunkerde und über dem hellen eiszeitlichen Sandboden ist der Schwarztorf. Er ist höher verdichtet und hat damit auch einen höheren Kohlenstoffgehalt, er ist brennbar und wurde hier für das Kraftwerk genutzt. Wird Schwarztorf weiter komprimiert, dann würde schließlich daraus Braunkohle entstehen und bei noch höherer Komprimierung schließlich Steinkohle. Allerdings waren die geologischen Bedingungen für eine Verkohlung hier in Norddeutschland nicht gegeben.

    Zu Anfang wurde die Arbeit von Männern an den Torfbaggern geleistet. Vorwiegend Frauen mussten die gewonnenen Torfstücke zum Trocknen drehen und schließlich in kleinen luftdurchlässigen Häufchen, den Stuken, stapeln. Diese Arbeit war sehr anstrengend, denn man musste 8 Std. am Tag gebückt arbeiten. Das war besonders im Sommer, wenn keine Wolke am Himmel war, anstrengend, denn Schatten durch Bäume oder Büsche gab es nicht.

    Dass die Sonne gnadenlos brennen konnte, habe ich während eines sehr heißen und trockenen Sommers Ende der 50er Jahre erlebt. Eines Tages heulten die Sirenen und die Feuerwehr zog aus. Ich war so um die 10 Jahre alt und das Ereignis war von höchstem Interesse, zumal die Feuerwehr in Richtung Süden an unserem Haus, allerdings auf der anderen Kanalseite, vorbei fuhr. Also schwang ich mich aufs Fahrrad und sauste hinterher. Ich fand die Feuerwehr ganz hinten (im Osten) des Reservats III Nord. Das Moor hatte sich durch irgendeinen Umstand entzündet. Es handelte sich keineswegs um ein offenes loderndes Feuer, sondern um einen unterirdischen Schwelbrand. Immerhin rauchte es stark. Ich bekam damals große Angst, als mir ein Feuerwehrmann erzählte, dass man das Feuer nicht löschen könne. Es würde weiter brennen und erst im Winter, in der feuchten Jahreszeit, ausgehen. Ein wenig sicher fühlte ich mich, weil das Feuer schließlich auf der anderen Kanalseite brannte und dazu noch viele km von uns entfernt.

    Später wurden zum Torfwenden Maschinen entwickelt, in der Werkstatt gebaut und auf den Feldern eingesetzt. Das kostete allerdings Arbeitsplätze, die zu dem Zeitpunkt in Ostfriesland rar waren.

    0027 torfstuken

    Quelle, 'Ostfriesisches Landesmuseum Emden'

    Hier kann man gut den vom Torfbagger abgelegten Torf in Form von langen, in Stücke geschnittenen 'Würsten', erkennen. Der Torf wurde nicht nur einfach in Stücke geschnitten, sondern er wurde in die 'Würste' gepresst. Das erhöhte den Energiegehalt pro Stück Torf. Männer beluden dann die Loren.

    0028 torfstuken, werkstatt, kraftwerk nwk wiesmoor

    Quelle, 'Ostfriesisches Landesmuseum Emden'

    Hier der Torfabbau noch im Reservat I direkt südlich an die Werkstatt anschließend. Zu sehen sind überall die Stuken mit dem trockenen Torf. Die Loren hatten in der Mitte eine Erhöhung in Form eines Dreiecks, so konnte der Torf leicht herausrutschen, wenn man die Seitenteile entriegelte.

    0029 torfstuken, feldbahn, torfmieten

    Quelle, 'Ostfriesisches Landesmuseum Emden'

    Zum  Bild über diesem Bild hat sich der Fotograf hier um ca. 180 Grad gedreht. Rechts im Hintergrund vier der Torfmieten, die den Torf im Winter für das Kraftwerk lieferten. Die Winterwitterung verhindert die Trocknung des Torfes, so konnte also im Winter kein Brenntorf gewonnen werden.

    0030 torfbagger nwk wiesmoor

    Quelle, 'Ostfriesisches Landesmuseum Emden'

    0030_b torfbagger nwk wiesmoor

    Quelle: H. Sanders, Wiesmoor 1906-1996, Rautenberg Verlag Leer, 1997

    Der hochprofessionelle Einsatz von Maschinen in der Torfgewinnung. Man kann gut erkennen, dass der obere hellere Torfbereich, die Bunkerde, zur Seite auf den Streifen vorne im Bild abgelegt wurde. Der dunklere Torfbereich, der Schwarztorf, wurde dann für die Brennstoffgewinnung genutzt.

    0031 torfbagger mit sodenfeld

    Quelle, K.-H. Frees, Das große Wiesmoor, S. 60, Ursula Basse Soltau

    0031_b torfbagger mit sodenfeld

    Archiv Frees

    0031_c torfbagger mit sodenfeld

    Archiv Frees

    Ein Torfbagger gewinnt den Torf und wirft ihn in Reihen (Würsten) zum Trocknen ab. Nach der ersten Trocknung musste dann der Torf gewendet und gestukt werden.

    Wie so etwas funktioniert, zeigt folgender Film auf Youtube, der aus Brockzetel stammt: https://www.youtube.com/watch?v=RcibfWp-2Rs  oder:

    https://www.youtube.com/watch?v=iF82KFtwRcQ

    Die Bilder unten zeigen die Mechanisierung dieses Prozesses.

    0032 torfwenden

    Quelle, Torfmuseum Wiesmoor

    Der folgende Link zeigt einen Torfbagger in Brockzetel. Mit solchen Maschinen arbeitete die NWK. Nicht auszuschließen, dass dieser Bagger der Verkaufsmasse der NWK von 1964 entstammt und dann umgebaut wurde. Die NWK-Maschinen liefen mit Strom. Schön zu sehen ist, dass der Torf gepresst wurde, um den Kohlenstoffgehalt zu erhöhen: https://www.youtube.com/watch?v=RcibfWp-2Rs

    Mit dieser Maschine konnte man den Torf ohne die lästige Bückarbeit, aber auch mit weniger Arbeitskräften, wenden.

    0033a torfwender

    Archiv Frees

    Original Wender im Einsatz

    0033 torfwender

    Quelle, eigenes Bild im Torfmuseum Wiesmoor

    Dieser Torfwender steht heute im Dorfmuseum von Wiesmoor.

    0034 torf auflademaschine nwk wiesmoor

    Quelle, 'Ostfriesisches Landesmuseum Emden'

    Der gestukte und trockene Torf wurde dann mit ähnlichen Maschinen wie hier, entweder zunächst auf größere Haufen geworfen oder direkt in die Loren verbracht.

    0035 maschinelle torfverladung nwk wiesmoor

    Quelle, 'Ostfriesisches Landesmuseum Emden'

    Diese Maschine baute dann die Torfhaufen ab und belud die Loren.

    0036 maschinelle torfverladung nwk wiesmoor 2

    Quelle, 'Ostfriesisches Landesmuseum Emden'

    Die breiten Raupen der Maschinen waren nötig, denn nicht immer war der Torfboden so tragfähig, wie hier im Bild. Die Gleise wurden durch Metallschwellen auf Abstand gehalten (im Bild sind davon zwei zu erkennen) und durch untergeschobene Holzbalken wurde das Einsinken der Gleise in den Boden verhindert.

    0037 torfverladung nwk wiesmoor

     Quelle unbekannt

    Hier sieht man gut, dass der Torf noch per Hand immerhin schon auf ein Fließband gebracht wurde. Im Hintergrund sieht man die 'neuen' Loren der NWK, die aus Stahlblech hergestellt worden waren. In den 50er und 60er Jahren waren das die Loren, die hauptsächlich von der Torfgewinnung, so hieß dieser Betrieb der NWK, eingesetzt wurden.

    Die Feldbahn.

    0072 loren der feldbahn der nwk wiesmoo

    Eigenes Bild

    Hier das Gleis, das ursprünglich zum Reservat II führte. Es verlief zunächst schräg, etwa nach Südwesten, dann durch ein kleines Wäldchen und drehte dann in Richtung Süden ab. Der erste hier gezeigte Teil (schräg nach Südwest) lief am sog 'Anschnitt 10' entlang. Dieses Gleisstück ließ man später liegen, nachdem der Rest abgebaut wurde. Es wurde als Abstellgleis für gerade nicht verwendete Loren genutzt. Man kann hier schön verschiedene Loren erkennen: 1. Zwei einfache viereckige Holzkästen, 2. die sich nach unten verjüngenden Holzloren, 3. eine einfache viereckige Stahlblechkonstruktion und schließlich 4. die in den 50er und 60er Jahren am häufigsten genutzte Stahlblechkonstruktion. Danach dann jede Menge sich nach unten verjüngende Holzloren.

    Die Reservate I und II waren, soweit ich zurückdenken kann, also bis in die anfänglichen 50er Jahre, bereits abgetorft. Das Gleis zum Reservat II lag noch lange unbenutzt. Ich kann mich noch daran erinnern, denn man fuhr daran entlang, wenn unser Familienausflug am Wochenende mit dem Fahrrad uns ins nahe Holle Sand brachte. Aber in den 60er Jahren war der nach Süden verlaufende Teil (Anschnitt 1) abgebaut.

    Bis fast zur Bentstreeker Str. liefen zwei Gleise vom Kraftwerk her parallel, eines für die Hinzüge, eines für die Züge zurück (das westlich gelegene von den Beiden).

    0038 bahndamm 2-gleisig nwk wiesmoor

    Quelle, 'Ostfriesisches Landesmuseum Emden'

    Dieser Zug ist also auf der Hintour Richtung Bentstreek.

    Interessant war noch das sog. Gleisdreieck in Bentstreek: Morgens zogen die Lokomotiven die leeren Züge bis nach Stapeler Moor, dort war das Gleis aber nur einspurig. Also schob die Lokomotive den beladenen Zug zunächst zurück und dann ein kleines Stück in Richtung Schweinebrück. Dort konnte dann der Vorwärtsgang eingelegt werden und die Lokomotive konnte jetzt über die längere Strecke den Zug ziehen. Es war sicherer den Zug zu ziehen, als zu schieben. Von dem Gleisdreieck kann man heute nur noch im Luftbild etwas erkennen:

    0039 gleisdreieck bentstreek

    Quelle: GoogleMaps

    Der Pfeil zeigt auf das ehemalige Gleisdreieck. Dieses Bild zeigt auch noch weitere Spuren der Feldbahn. Entlang dem 'Gleisweg' und dem 'Stapelmoorer Weg' nach Norden (Richtung Schweinebrück) laufen zwischen Weg und großen grünen Feld, Gebüsch- bzw. Waldstreifen. Es handelt sich dabei um die alte Trasse der NWK-Feldbahn. Diese Streifen sind keineswegs überall zu finden. Siehe 'Stapelmoorer Weg' nach Süden, dort lief die Bahn westlich der heutigen Straße.

    Die Feldbahn war lange Zeit das wichtigste Transportmittel in Wiesmoor. Selbst in der Gärtnerei waren Gleise verlegt.

    0040 gaertnerei inneres

    Quelle, 'Ostfriesisches Landesmuseum Emden'

    0041 drehscheibe der feldbahn

    Quelle, 'Ostfriesisches Landesmuseum Emden'

    Hier eine Lore, die zur Ernte in den Gewächshäusern verwendet wurde. Da in den Gewächshäusern wenig Platz war, benutzte man Drehscheiben, um mit den Loren zu rangieren.

    Die Loren wurden auch gebraucht, wenn neuer Boden in Gewächshäuser gebracht wurde. Der war eine Mischung aus vorwiegend Schlick und anderen Substraten. Der Schlick wurde per Schiff über den Ems-Jade-Kanal und den Nordgeorgsfehn-Kanal zur Schiffsentladung am 'kleinen Hafen' herangeschafft.

    0042 hafenkran

    Quelle, Gemeinde Wiesmoor

    Hier sieht man den Kran am kleinen Hafen (Blick nach Süden). Der Schlick, der hier her geschifft wurde, wurde in diese Kipploren geladen, die dann in die Gewächshäuser gebracht wurden. Von diesem Hafen findet man noch heute die Spundwand.

    0042b hafenkran

    Quelle: H. Sanders, Wiesmoor 1906 - 1996, Print Media Leer, 1997

    Diese gut zu erkennende Spundwand ist heute noch zu sehen.

    0043 alter hafen

    Quelle, 'Ostfriesisches Landesmuseum Emden'

    Hier ein frühes Bild der Schlickverladung auf Kipploren. Dieser 'Hafen' wurde später zugunsten des 'neuen Hafens' mit Kran aufgegeben. Dieser ältere Hafen lag etwas weiter nördlich am Kanal. Im Hintergrund die Werkstatt und zischen Hafen und Werkstatt, die Torfverladestelle. Hier konnten Fuhrwerke und Lastwagen mit Torf beladen werden. Wir wohnten ja dicht an dieser Verladestelle und ich kann mich gut erinnern, dass hier reger Betrieb herrschte. Pferdefuhrwerke, Trecker mit Anhängern und Lastwagen wurden hier beladen. Besonders hatte es mir dabei ein öfter dort auftauchender Lastwagen, ein Krupp Titan, angetan, er war so groß und laut und ich fand ihn schön aussehend, blau mit roten Zierlinien.

    0043 b Zufahrt zum alter hafen

    Archiv Frees

    Die Zufahrt zum ersten Hafen. Ganz links noch gerade sichtbar, die Werkstatt. Rechts daneben das Geburtshaus des Autors, in dem meine Eltern bis 1972 wohnten. Das Haus steht heute noch, direkt neben dem Fahrzeugbau Schröder. Es war eine NWK-Werkswohnung. Die Verbindung von Wiesmoor nach Remels war zu dem Zeitpunkt des Fotos noch ein Weg. Ich kann mich nur an eine mit Klinkern gepflasterte Straße erinnern, die erst Ende der 60er Jahre asphaltiert wurde.

    0044 abfallmiete landwirtschaft

    Quelle, 'Ostfriesisches Landesmuseum Emden'

    Dieses Bild zeigt einen Teil der Landwirtschaft. Dort lag im Mittelpunkt die Abfallmiete der Gärtnerei, hier links nicht im Bild, wo das Gleis hinführt. Der tägliche Abfall wurde per Bahn am nächsten Morgen dann auf diese Miete gebracht.

    0044b landwirtschaft

    Die Landwirtschaft. Sie war natürlich auch per Feldbahn angebunden, wenn auch die Gleise kaum genutzt wurden. Ich kann mich nicht daran erinnern und ich war häufig dort, da mein Vater dort Betriebsleiter war. Vorne am Weg liegen zwei Gebäude. Im vorderen Gebäude mit den zwei großen Toren (Werkstatt) lag die Verwaltung. Man sieht vor dem ersten und dem zweiten Gebäude im Bogen verlaufende Gleise. Vor dem Verwaltungsgebäude stehen Loren. Auf der den Gebäuden abgewandten Wegseite verläuft das Gleis zu den Abfall-/Kompostmieten, die etwa 600 m weiter rechts lagen (an dem Weg der an der rechten unteren Bildecke verschwindet). Es ist kaum zu erkennen.  Das Gleis wurde natürlich benutzt.  Im Hintergrund sehen Sie zwei Reihen Strommasten hinter der zweiten Reihe verlief der 2-gleisige Bahndamm nach Stapeler Moor bzw. Schweinebrück. Die Ortschaft im Hintergrund ist Rammsfehn.

    0044c benary gaertnerei

    Archiv Frees

    Die Benary-Gärtnerei: die Gärtnerei, links davon Freiluftbeete. Auf den Freiluftbeeten wurden vor allen Dingen Begonien angebaut, deren Blüten dann zum Blütenfest gesammelt wurden und an den Blütenwagen befestigt wurden. Als Schüler konnte ich mir dabei etwas Geld verdienen. Die Blütenwagen bestanden aus Figuren, die mit Maschendraht bespannt waren. In jede Blüte wurde ein Draht gesteckt und dann mussten flinke Hände die Blüten am Maschendraht befestigen.

    Parallel hinter der Gärtnerei verläuft gut sichtbar der 2-gleisige Bahndamm. Man erkennt von rechts kommend nach einem Drittel Wegstrecke, ein in einem Bogen nach rechts abbiegendes Gleis. Es führt in die Baumschule, die man am oberen Bildrand gut erkennen kann. Auf dem Weg direkt vor der Baumschule, parallel zum Bahndamm, verlief noch ein Gleis, das bis zur weiter links liegenden Landwirtschaft verlief (nicht auf dem Bild, vielleicht 400 m nach links oben/Süden). Zum oberen Bildrand verläuft ein Waldstreifen, der 'Anschnitt 9'. In seiner Verlängerung nach links führte eine Unterführung unter dem Bahndamm durch. Von dem eben beschriebenen Gleis bog hier ein Gleis ab führte durch die Unterführung und schloss damit die Benary-Gärtnerei an das Schienennetz an. Schwach zu erkennen verläuft links vor der Benary-Gärtnerei vom linken Bildrand kommend, ein Gleis der Feldbahn. Es war eine Verlängerung des oben beschriebenen Anschlussgleises. Ein weiteres Gleis führte in die Begonienfelder.

    0044d benary gaertnerei begonienfelder

    Archiv Frees

    Die Benary-Gärtnerei von Süden aus. Man sieht die blühenden Begonien und das in der Mitte verlaufende Feldbahngleis.

    Die Feldbahn wurde auch eingesetzt, wenn in Wiesmoor andere Großprojekte ausgeführt wurden, z. B. beim Wegebau in Mullberg:

    0045a wegbau mit feldbahn in mullberg

    0045b wegebau in mullberg mit der feldbahn

    Quelle: Beide Bilder aus dem Buch Mullberg, siehe Literatur am Schluss, S. 36

    0045c wegebau in mullberg mit der feldbahn

    Quelle: Arbeitskreis '75 Jahre Mullberg', Mullberg, Rautenberg Leer, 1997

    Mullberger Straße in Richtung Wiesmoor Mitte. Vor dem Haus geht rechts die heutige 'Bentstreeker Straße' ab. Auch hier wurde die Feldbahn zum Bau eingesetzt.

    0045c Sandauskofferung in der Gefangenenkuhle am T-Kanal-Weg, heute Amselweg in mullberg

    Quelle wie oben, aber S. 33

    Sogar Kriegsgefangene wurden zur Auskofferung des Weges mit Sand oder zum Kanalbau eingesetzt. Der Wegebau im Moor ist nicht einfach. Man kann die Straßendecke nicht einfach auf ein normales Schotterbett aufbringen. Man muss den gesamten Torf unter der Fahrbahn herausholen. Dazu muss man quasi einen Kanal bauen und den dann mit Sand wieder verfüllen, ein sehr aufwendiges Verfahren. Leider drückt der Sand dann oft genug zu den Seiten weg und die Straße muss dann ständig repariert werden.

    0045cd kriegsgefangene 1. Weltkrieg beim kanalbau

    Quelle: H. Sanders, Wiesmoor, C.&L. Mettker, Jever 1990

    Kriegsgefangene und Häftlinge wurden auch während des 2. Weltkriegs eingesetzt. Die mussten aber meist in der Torfgewinnung arbeiten.

    0045d bau des nordgeorgsfehnkanals

    Archiv Frees

    Auch beim Bau des Nordgeorgsfehnkanals  wurde die Feldbahn gebraucht. Nur in der letzten Phase wurde er schon maschinell ausgehoben.

     Die Feldbahn diente auch beim Bau der Siedlung Hinrichsfehn: Nach dem 2. Weltkrieg kamen sehr viele Flüchtlinge nach Westdeutschland, die untergebracht werden mussten. So wurde in Wiesmoor in einem frisch abgetorften Gebiet (Reservat I)eine Siedlung aufgebaut, das heutige Hinrichsfehn, benannt nach Jan Hinrichs. Baustoffe waren rar und so wurden Häuser aus Lehm mit einem Strohdach gebaut. Jedes Haus bekam 2 ha Land zur Selbstversorgung. Der Lehm wurde per Schiff zum Hafen geliefert und von dort per Feldbahn nach Hinrichsfehn gebracht:

    0045 bau von hinrichsfehn

    Quelle: Dorfgemeinschaft Hinrichsfehn, 1996 Varel, aus Hinrichsfehn 50 Jahre 1946 - 1996

    0045 0 bau von hinrichsfehn

    Archiv Frees

    Hinrichsfehn: Die Auskofferung der Straße. Der 'Kanal' wurde dann per Feldbahn (rechts im Bild) mit Sand gefüllt, um so einen festen Untergrund zu bekommen. Zu jedem Haus gehörten 2 ha Land und vor dem Haus viel Platz für einen Garten. Die Häuser waren aus Lehm gebaut.

    Die Moorkultivierung.

    Wie die Kultivierung in der Reservaten I und II ablief, habe ich nicht gesehen. Aber im Reservat III Nord habe ich die großen Ottomeyer-Pflüge gesehen. Der Erfinder dieser Pflüge hieß nicht Otto Meyer, sondern Friedrich Ottomeyer.

    0046 ottomeyer pfluege mit dampfmaschinen

    Quelle,http://justacarguy.blogspot.de/2016/05/ottomayer-plowing-engines-and-plow.html

    Zwei mächtige Dampfmaschinen standen vielleicht einen Kilometer auseinander und zogen per Seilwinde den Pflug immer hin und her. Auf diese Weise wurde der Resttorf (Bunkerde) mit den darunterliegenden eiszeitlichen Böden (vorwiegend Sand) gemischt. Hinterher wurde dann noch gekalkt und gedüngt, dann Straßen gebaut und Bauern angesiedelt. 

    0046 ottomeyer pfluege mit dampfmaschinen

    Quelle: Rene Hockert, Quakenbrück

    Ottomeyerpflug während einer Sonerausstellung im Museumsdorf Cloppenburg. Bewegt wurde er durch vier Lokomoblile mit je 450 PS.

    0046b bauernansiedlung im reservat III

    Quelle: GoogleMaps

    Die Siedlerhöfe heute im ehemaligen Reservat III. Die roten Pfeile weisen auf den 'Friedeburger Wiesmoorschloot (Schloot ist ein ostfriesischer Ausdruck für Graben). Hier läuft keine Straße, allenfalls ein Weg entlang. Zur 'NWK-Zeit' verlief hier die Hinstrecke der Feldbahn nach Stapeler Moor bzw. nach Schweinebrück.

    Dazu zwei Links zur Funktion des Ottomeyer-Pfluges: https://www.youtube.com/watch?v=hk-ktzVIK9Y und  http://www.trikonberlin.de/moorpflug-mammut/

     

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